
Warum Wespen alte Kelterbauten im Zabergäu besiedeln
Ein Nest unter dem Dachfirst der Kelter fällt oft erst auf, wenn die Trauben reif sind und niemand mehr in den Reihen arbeiten will. Wir erklären, woran das liegt und was vor der Lese zu klären ist.
- Ungenutzte Kelterbauten als Nistplatz
- Artenschutz bei Hornissen beachten
- Vor der Lese rechtzeitig prüfen lassen
Im Zabergäu stehen viele Kelter- und Wirtschaftsgebäude nur noch zur Erntezeit offen. Den Rest des Jahres bleiben Türen zu, Fenster gekippt, Dachluken ungenutzt. Genau das macht die Gebäude für Wespen interessant. Ein Volk baut ungestört, ohne dass jemand das Nest im Frühsommer bemerkt und stört.
Erst wenn im Spätsommer wieder Kisten getragen und Pressen angeworfen werden, wird der Bau sichtbar. Dann ist das Nest oft schon faustgroß oder größer, die Tiere reizbar, weil Betrieb in ihre Nähe kommt. Wer die Lese plant, sollte das Gebäude vorher ansehen, nicht erst am Tag der ersten Fuhre.
Warum gerade Kelterbauten betroffen sind
Kelterhäuser im Zabergäu sind meist massiv gebaut, mit dicken Mauern, Holzbalken und Hohlräumen unter dem Dach. Diese Struktur bietet Wespen Schutz vor Wind und Temperaturschwankungen, ähnlich wie ein natürlicher Hohlraum im Baumbestand. Da die Gebäude nur saisonal genutzt werden, fehlt die Störung, die anderswo den Nestbau früh unterbindet.
Hinzu kommt die Lage. Viele Kelterbauten stehen am Rand der Weinberge, umgeben von Hecken, Trockenmauern und Streuobst. Das sind Lebensräume mit reichlich Insektenangebot, ideal für die Versorgung eines Volkes über den Sommer. Ein Nest, das im Mai unbemerkt beginnt, ist im September ausgewachsen und aktiv, genau zur Zeit der Lese.
Was vor der Lese zu prüfen ist
Ein kurzer Rundgang vor Erntebeginn zeigt, ob ein Nest vorhanden ist und wie dringend gehandelt werden muss.
- Dachboden und FirstUnter dem First und im Dachraum bilden sich die meisten Nester. Ein Blick von unten reicht oft schon aus.
- Fensterläden und RitzenAuch schmale Öffnungen an Fensterläden oder Mauerspalten dienen als Einflugloch für ein Volk.
- Fluglinie beobachtenEin ständiges An- und Abfliegen an derselben Stelle deutet auf ein Nest in der Nähe hin.
- Nestgröße einschätzenEin kleines Nest im Frühsommer lässt sich anders behandeln als ein ausgewachsenes im Spätsommer.
- Art bestimmen lassenHeimische Hornisse, Wespe oder die eingewanderte Asiatische Hornisse verlangen unterschiedliches Vorgehen.
So geht man vor der Lese vor
Wer ein Nest findet, sollte nicht sofort selbst eingreifen. Diese Reihenfolge hat sich in der Praxis bewährt.
- Anruf
Abstand halten
Nest nicht berühren, keine Erschütterung am Gebäude, keine Absperrung mit Lärm oder Vibration in der Nähe.
- gleicher Tag
Art bestimmen
Foto aus sicherer Entfernung hilft der Fachkraft, Wespe, heimische Hornisse oder Asiatische Hornisse zu unterscheiden.
- Termin
Rechtslage klären
Bei Hornissen ist die Untere Naturschutzbehörde zuständig, ein Nest darf nicht einfach entfernt werden.
- danach
Termin vor Erntebeginn
Wer die Lese plant, sollte die Fachkraft rechtzeitig vorher kommen lassen, nicht erst am Tag der Arbeit.
Typische Fehler im Umgang mit dem Nest
Bei Wespennestern in Kelterbauten passieren immer wieder dieselben Fehleinschätzungen, die die Lage verschärfen.
- Nest selbst entfernen wollenOhne Schutzausrüstung und Fachwissen endet der Versuch oft mit Stichen und einem aufgescheuchten Volk.
- Hornisse mit Wespe verwechselnDie heimische Hornisse steht unter Artenschutz, ein Entfernen ohne Genehmigung ist nicht erlaubt.
- Nest bis zur Lese ignorierenEin wachsendes Nest wird im Spätsommer größer und aggressiver, gerade wenn Betrieb einsetzt.
- Chemische Mittel einsetzenSprays aus dem Baumarkt reizen das Volk oft nur, ohne das Nest wirklich zu beseitigen.
Lieber gleich fragen?
Ein kurzer Anruf spart oft den zweiten Versuch.
Wann die Fachkraft nötig ist
Ein kleines Nest fern von Wegen und Türen kann manchmal bis zum ersten Frost bleiben, dann stirbt das Volk von selbst ab. Sobald ein Nest aber im Bereich von Kisten, Pressen oder Laufwegen liegt, oder es sich um eine Hornissenart handelt, ist Abstand halten und die Fachkraft rufen die sichere Wahl. Sie erkennt die Art, kennt die rechtlichen Schritte bei geschützten Tieren und weiß, wie ein Gebäude vor der Lese wieder gefahrlos betreten werden kann.
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Häufige Fragen
Darf ich ein Hornissennest in der Kelter selbst entfernen?
Nein. Hornissen stehen unter Artenschutz. Ein Nest darf nur mit Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde entfernt werden. Die Fachkraft klärt vorab, ob eine solche Genehmigung nötig ist und beantragt sie gegebenenfalls.
Wie erkenne ich, ob es eine Asiatische Hornisse ist?
Baden-Württemberg gilt als ältestes Verbreitungsgebiet dieser Art in Deutschland. Die Unterscheidung zur heimischen, geschützten Hornisse ist wichtig für das weitere Vorgehen. Ein Foto aus Distanz genügt der Fachkraft meist zur Bestimmung.
Wann ist im Zabergäu die Wespensaison?
Die Saison reicht von Mai bis Oktober. Nester wachsen über den Sommer, im Spätsommer sind sie am größten. Vor der Lese im Herbst ist die Aktivität am Gebäude entsprechend hoch.
Wer ist zuständig, wenn das Kelterhaus denkmalgeschützt ist?
An denkmalgeschütztem Fachwerk oder Mauerwerk ist vor jeder Behandlung die Untere Denkmalschutzbehörde einzubeziehen. Die Fachkraft stimmt das Vorgehen entsprechend ab, bevor am Gebäude etwas verändert wird.