
Wenn die Hornisse zwischen den Reben jagt
Ende Sommer häufen sich Sichtungen an Weinstöcken. Nicht jede große Hornisse ist ein Grund zur Sorge, aber eine bestimmte Art schon. Wer sie erkennt und richtig meldet, hilft mit, die Ausbreitung zu bremsen.
- Erkennungsmerkmale der Asiatischen Hornisse
- Meldepflicht und zuständige Behörde
- Wann eine Fachkraft einbezogen wird
Ein Winzer im Kraichgau meldet auffällige Hornissen an seinen Rebzeilen. Die Tiere sitzen an angepickten Trauben und saugen den austretenden Saft. Auf den ersten Blick sieht das nach der bekannten heimischen Hornisse aus. Beim genaueren Hinsehen fällt aber eine dunklere Färbung auf, fast schwarz, mit gelben Beinenden.
Genau diese Details entscheiden, was als Nächstes passiert. Die heimische Hornisse steht unter strengem Schutz und darf nicht angetastet werden. Die Asiatische Hornisse dagegen ist eine invasive Art. Für sie gilt ein anderes Vorgehen, weil sie heimische Insekten und den Weinbau bedrängt. Die Unterscheidung ist keine Formsache, sie bestimmt den gesamten weiteren Ablauf.
Zwei Arten, zwei Verfahren
Die heimische Hornisse baut ihre Nester meist in Baumhöhlen, Dachstühlen oder Rollladenkästen, oft sichtbar und einzeln angeflogen. Die Asiatische Hornisse dagegen legt ihre Nester hoch in Bäumen an, kugelförmig und schwer einsehbar. An Trauben tritt sie ab August verstärkt auf, weil der Zuckergehalt der Beeren steigt. Sie sitzt dann in kleinen Gruppen an angebissenen Früchten, was für die heimische Art untypisch ist.
Baden-Württemberg gilt als ältestes Verbreitungsgebiet dieser Art in Deutschland. Entsprechend häufig sind Sichtungen im Land, auch im Landkreis Heilbronn mit seinen Weinlagen an der Bergstraße und im Kraichgau. Eine Verwechslung mit der geschützten heimischen Hornisse hat Folgen: Wird die falsche Art behandelt, drohen Konflikte mit dem Artenschutz. Deshalb steht am Anfang jeder Meldung die genaue Bestimmung, nicht die sofortige Bekämpfung.
Merkmale im Vergleich
Wer die Unterschiede kennt, kann eine erste Einschätzung treffen, bevor eine Meldung erfolgt oder eine Fachkraft gerufen wird.
- Färbung des HinterleibsDie Asiatische Hornisse wirkt insgesamt dunkler, fast schwarzbraun, mit einem auffälligen orangefarbenen Segment am Ende des Hinterleibs.
- Gelbe BeinendenDie Beine enden bei der Asiatischen Hornisse deutlich gelb, ein Merkmal, das bei der heimischen Art fehlt oder anders ausgeprägt ist.
- Nestform und StandortNester der Asiatischen Hornisse sind kugelig, oft in Baumkronen, während heimische Hornissen eher Hohlräume in Gebäuden oder Bäumen nutzen.
- Verhalten an TraubenGruppenweises Anfliegen angepickter Beeren im Spätsommer spricht eher für die invasive Art als für die heimische Hornisse.
- AktivitätszeitraumDie Saison reicht von Juni bis Oktober, mit deutlichem Anstieg der Sichtungen an Trauben ab August.
Was nach einer Sichtung passiert
Der Ablauf nach einer Meldung folgt festen Schritten, damit die richtige Stelle informiert wird und keine Zeit verloren geht.
- Anruf
Beobachten
Abstand halten, wenn möglich ein Foto machen. Für eine sichere Bestimmung sind Färbung und Beinenden entscheidend, nicht die Größe.
- gleicher Tag
Melden
Die Sichtung geht an die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt in Heidelberg, zuständig für den gesamten Landkreis Heilbronn.
- Termin
Prüfen
Die Behörde oder eine hinzugezogene Fachkraft bestätigt die Art anhand der Merkmale, bevor weitere Schritte eingeleitet werden.
- danach
Handeln
Bei bestätigter invasiver Art erfolgt die Entnahme durch eine Fachkraft mit entsprechender Ausrüstung, abgestimmt mit der Behörde.
Was häufig schiefgeht
Bei der Unterscheidung der beiden Hornissenarten passieren immer wieder dieselben Fehler, die den Ablauf verzögern oder erschweren.
- Nest ohne Prüfung entfernenWird ein Nest vorschnell entfernt, kann es sich um die geschützte heimische Art handeln. Das verstößt gegen den Artenschutz.
- Meldung an falsche StelleZuständig ist die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt, nicht die Gemeinde und nicht das Ordnungsamt.
- Verwechslung mit WespenWespen an Trauben sind häufig und unproblematisch. Die Größe und das Gruppenverhalten der Hornisse werden oft übersehen.
- Nest selbst bekämpfenHoch hängende Nester sind schwer zu erreichen und die Tiere reagieren aggressiv auf Störung. Das bleibt Aufgabe der Fachkraft.
Lieber gleich fragen?
Ein kurzer Anruf spart oft den zweiten Versuch.
Wann eine Fachkraft nötig ist
Eine erste Einschätzung kann jeder Weinbergsbesitzer selbst treffen, anhand von Färbung und Verhalten der Tiere. Sobald ein Nest gefunden wird oder die Bestimmung unsicher bleibt, braucht es die Untere Naturschutzbehörde und in der Folge oft eine Fachkraft. Das gilt besonders bei Nestern in Reichweite von Wegen oder Gebäuden, wo eine Entnahme fachgerecht und mit Rücksicht auf den Artenschutz erfolgen muss.
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Häufige Fragen
Wie unterscheide ich die Asiatische von der heimischen Hornisse?
Die Asiatische Hornisse ist insgesamt dunkler gefärbt, mit gelben Beinenden und einem orangefarbenen Segment am Hinterleib. Die heimische Hornisse wirkt heller und rötlich-braun. Im Zweifel hilft ein Foto aus sicherem Abstand für die spätere Bestimmung.
Wohin melde ich eine Sichtung im Landkreis Heilbronn?
Zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt in Heidelberg. Sie deckt den gesamten Landkreis Heilbronn ab, unabhängig von der einzelnen Gemeinde, in der die Sichtung stattfand.
Darf ich ein Hornissennest selbst entfernen?
Nein. Beide Arten stehen unter besonderem rechtlichen Rahmen, die heimische Hornisse als geschützte Art, die Asiatische als invasive Art mit eigenem Verfahren. Die Entnahme ist Sache der Behörde oder einer beauftragten Fachkraft.
Warum ist die Unterscheidung so wichtig?
Die heimische Hornisse darf nicht bekämpft werden, das ist strafbar. Die Asiatische Hornisse muss dagegen gemeldet werden, weil sie den Weinbau und heimische Insekten bedrängt. Eine Verwechslung führt zu falschem Vorgehen in beide Richtungen.