
Wenn Ameisen die alte Weinbergmauer besiedeln
An der Bergstraße und im Kraichgau ziehen sich Trockenmauern durch die Weinlagen. Ameisen graben dort seit Generationen. Das ist normal. Schwierig wird es erst, wenn die Wege der Tiere von der Mauer zum Wohnhaus führen.
- Trockenmauer ist Lebensraum, kein Schaden
- Grenze verläuft am Baukörper
- Fachkraft nur bei Hausbefall nötig
Ein Grundstück an der Bergstraße, Sandsteinsockel, davor eine Trockenmauer aus der Zeit, als der Hang noch in Handarbeit terrassiert wurde. Zwischen den Steinen laufen Ameisen, an manchen Stellen dicht, mit kleinen Erdaufwürfen in den Fugen. Der Eigentümer fragt sich, ob das ein Problem ist oder einfach zur Mauer gehört.
In den meisten Fällen gehört es dazu. Trockenmauern sind trocken, warm und voller Hohlräume – für Ameisen ein idealer Nistplatz. Sie lockern den Boden zwischen den Steinen, was der Mauer eher nützt als schadet. Zum Thema wird es erst, wenn die Tiere die Mauer verlassen und Richtung Terrasse, Fundament oder Küche weiterziehen.
Was die Mauer schützt, was das Haus schützt
Trockenmauern im Weinberg sind oft altes Kulturgut, manche stehen unter Schutz, weil sie den Hang stabilisieren und ein eigenes Kleinklima für Eidechsen, Wildbienen und eben Ameisen bilden. Wer hier eingreift, verändert einen gewachsenen Lebensraum. Das ist der Grund, warum an der Mauer selbst in der Regel nichts unternommen wird – auch nicht bei dichtem Ameisenbesatz. Die Tiere gehören zum Gefüge, so wie Moos oder Flechten auf den Steinen.
Anders sieht es aus, sobald Ameisenstraßen über die Mauerkrone hinweg zum Gebäude führen. Ein Nest im Mauerwerk der Mauer ist unkritisch, ein Nest unter der Bodenplatte des Hauses nicht. Die Fachkraft unterscheidet deshalb zuerst den Ort: Weinbergmauer bleibt Weinbergmauer, Gebäude ist Gebäude. Erst wenn die zweite Grenze überschritten ist, beginnt die eigentliche Arbeit.
Was an der Mauer normal ist
Fünf Beobachtungen, die an einer bewohnten Trockenmauer keinen Grund zur Sorge geben und keine Behandlung erfordern.
- Erdkrümel in den FugenKleine Aushübe zwischen den Steinen zeigen ein aktives Nest an. Das ist normaler Ameisenbau, kein Schädlingsbefall im eigentlichen Sinn.
- Ameisenstraßen im SommerVon April bis September sind Ameisen besonders aktiv, an der Bergstraße durch die milden Winter oft länger als anderswo im Kreis.
- Mehrere Nester nebeneinanderTrockenmauern bieten viele Hohlräume. Mehrere Kolonien nebeneinander sind üblich und beeinflussen die Stabilität der Mauer kaum.
- Andere Tiere in der MauerEidechsen, Wildbienen und vereinzelt Hornissen nutzen dieselben Mauern. Das gehört zum geschützten Lebensraum Trockenmauer.
- Lockerer MauerfußAmeisenbau kann den Fugenmörtel lockern. Das ist ein Thema für den Weinbergbesitzer oder die Denkmalpflege, nicht für Schädlingsbekämpfung.
Wie eine Fachkraft den Fall einordnet
Bevor überhaupt behandelt wird, klärt die Fachkraft den Ort des Geschehens. Vier Schritte, die vor jeder Maßnahme stehen.
- Anruf
Ortstermin
Die Fachkraft schaut sich Mauer und Gebäude gemeinsam an und verfolgt die Ameisenstraßen von den Fugen bis zu ihrem Ziel.
- gleicher Tag
Grenze prüfen
Entscheidend ist, ob das Nest in der Mauer bleibt oder ob Wege zum Fundament, zur Terrasse oder ins Haus führen.
- Termin
Art bestimmen
Nicht jede Ameisenart verhält sich gleich. Manche bleiben im Freien, andere ziehen bei Trockenheit ins Gebäude weiter.
- danach
Maßnahme festlegen
Nur bei Befall im oder am Gebäude wird behandelt. Die Mauer selbst bleibt in aller Regel unangetastet.
Typische Irrtümer bei Ameisen im Weinberg
Bei Trockenmauern werden häufig Maßnahmen ergriffen, die weder nötig sind noch dem Mauerwerk oder dem Lebensraum guttun.
- Gießkanne mit heißem WasserKochendes Wasser in die Fugen schädigt Mörtel und Fugenmaterial und trifft oft nur einen Teil des Nests, der Rest zieht um.
- Gift direkt in die MauerChemische Mittel in Trockenmauern wirken auch auf Eidechsen und Wildbienen, die denselben Lebensraum nutzen.
- Mauer als Ganzes sanierenWegen Ameisen die komplette Trockenmauer neu zu verfugen, zerstört einen gewachsenen Lebensraum ohne echten Nutzen fürs Haus.
- Jede Ameise als Befall wertenAmeisen in der Mauer sind kein Befall. Ein Fall wird erst zum Thema, wenn Wege ins Gebäude führen.
Lieber gleich fragen?
Ein kurzer Anruf spart oft den zweiten Versuch.
Wann der Griff zur Fachkraft sinnvoll ist
Eine Trockenmauer voller Ameisen ist zunächst kein Auftrag, sondern ein Lebensraum. Eine Fachkraft wird dann gebraucht, wenn Ameisenstraßen nachweislich vom Weinberg zum Wohnhaus führen, wenn Nester im Mauerwerk des Gebäudes selbst sitzen oder wenn unklar ist, ob es sich um Ameisen, Wespen oder eine Hornissenart handelt. An denkmalgeschütztem Fachwerk im Neckartal wird vorab die Untere Denkmalschutzbehörde einbezogen, bei Hornissen entscheidet die Art über das weitere Vorgehen.
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Häufige Fragen
Muss ich eine Trockenmauer mit Ameisen melden?
Nein. Ameisen in einer Weinbergmauer sind kein meldepflichtiger Vorgang. Relevant wird es erst, wenn sich Wege zum Wohngebäude bilden und dort ein Befall entsteht, den der Eigentümer klären lassen möchte.
Darf ich die Mauer selbst behandeln?
Von eigenmächtigen Maßnahmen an der Mauer raten wir ab, da sie oft Mörtel und andere Tiere wie Eidechsen oder Wildbienen schädigen. Bei denkmalgeschütztem Bestand ist zusätzlich die Untere Denkmalschutzbehörde zu beteiligen.
Wie unterscheidet die Fachkraft Ameisen von Hornissen?
Am Nestbild, an Flugbahnen und an der Tageszeit der Aktivität. Baden-Württemberg ist das älteste Verbreitungsgebiet der Asiatischen Hornisse, deshalb prüft die Fachkraft die Art genau, bevor über ein Vorgehen entschieden wird.
Wer ist zuständig, wenn Ameisen im Haus auftauchen?
Auf privatem Grund liegt die Zuständigkeit beim Eigentümer, der Betrieb übernimmt die Behandlung im Auftrag. Das Ordnungsamt der Gemeinde nimmt Meldungen entgegen, wenn der öffentliche Raum betroffen ist.